FANDOM


Plagiarism01:29

Plagiarism

Auch zu diesem Bereich sind Forschungsarbeiten vornehmlich aus den USA bekannt. Dort gibt es inzwischen eine Reihe von Untersuchungen, die das Ausmass von Wissenschaftsbetrug aufzeigen. Allerdings gibt es inzwischen auch zwei deutsche Untersuchungen, die hier vorgestellt werden.

Das Video zeigt Daten zur Häufigkeit von akademischen Plagiaten aus den USA.

Das Video ist in englischer Sprache.

Donald L. McCabe, Wirtschaftswissenschaftler, Rutgers Universität, 2006-2010Bearbeiten

Rutgers Church.jpg

Donald L. McCabe erforscht seit 20 Jahren wissenschaftliches Fehlverhalten bei Studenten in den USA und Kanada. Inzwischen wurden 200 000 College-Studenten untersucht, 50 000 High School-Studenten sowie 20 000 Fakultätsmitarbeiter.

Gegenstand seiner Untersuchungen waren Betrugshandlungen von Schülern und Studenten. Neben Plagiarismus wurde unter anderem nach der Verwendung von Spickzetteln sowie Abschreiben vom Nachbarn gefragt. (Im amerikanischen Bildungssystem spielen Tests mit Muliple-Choice-Anworten eine grosse Rolle.)

Insgesamt gaben ein Drittel bis 40% der Untersuchten Cut-and-Paste-Plagiarismus in irgendwelcher Form zu.


Nach McCabe hat sich die Anzahl der Studenten, die plagiieren, nicht erhöht. Diejenigen, die es tun, plagiieren aber öfter, da es zur Gewohnheit geworden ist. Er selbst glaubt nicht an einen Rückgang studentischen Fehlverhaltens. Eher hätten Betrüger keine Lust mehr, in Untersuchungen zu antworten. Andere Forscher berichten, Plagiarismus habe zugenommen, wobei das Internet eine Hauptrolle spiele. Exemplarisch wird hier eine seiner Studien vorgestellt. Weitere Arbeiten befinden sich in der Materialsammlung.

Cheating.JPG
"Academic Dishonesty in Graduate Business Programs: Prevalence, Causes, and Proposed Action" (mit Ken Butterfield, Linda Klebe Trevino, 2006):

In dieser Studie wurden von 2002 bis 2004 5300 Studenten in 54 Institutionen in den USA und Kanada befragt, ob sie im vergangenen Jahr betrogen hatten. Darunter waren 623 Studenten von 32 Wirtschaftshochschulen. Gefragt wurde nach 13 verschiedenen Betrugshandlungen bei Prüfungen und schriftlichen Arbeiten. Daneben wurde nach der Wahrnehmung von Betrugshandlungen bei Kommilitonen gefragt, der Strenge der Konsequenzen beim Erwischtwerden und der generellen Akzeptanz der Regeln guten wissenschaftlichen Arbeitens.

Demnach räumten 56% der MBA-Studenten Betrug ein gegenüber 47% der Nicht-MBAs. Internet-Plagiarismus gaben 33% der MBA-Studenten zu, jedoch nur 22% der übrigen Master-Studenten. Grund für die hohe Betrugsquote bei MBAs sei die Dampfkessel-Atmosphäre der Wirtschaftshochschulen, die zu Konkurrenz um jeden Preis verleite, sowie die Verzerrung der Standards vieler Wirtschaftsstudenten durch Bilanzskandale. Kurz: Das Fach selbst verleite zum Betrug.

Sebastian Sattler, Soziologe, Universität Bielefeld 2006Bearbeiten

Uni-Bielefeld Panorama Nordseite.jpg
In seiner Magisterarbeit "Plagiate in Hausarbeiten. Erklärungsmodell mit Hilfe der Rational Choice Theorie " untersuchte Sattler sowohl vergangene Plagiatshandlungen als auch die gegenwärtige Plagiatsbereitschaft von Studenten. Von zentralem Interesse waren dabei die folgenden Fragen:
  1. Wie verbreitet sind Plagiate?
  2. Warum entscheiden sich Studenten für oder gegen ein Plagiat?
  3. Welche Massnahmen helfen gegen Plagiate?

StichprobeBearbeiten

Grundgesamheit waren alle 530 Studenten der Universität Leipzig im Wintersemester 2005/2006 mit Hauptfach Soziologie im ersten, dritten, fünften und siebten Fachsemester. 375 standardisierte Fragebögen wurden in 12 Pflichtveranstaltungen verteilt. Die Rücklaufquote betrug 69,07% (259 Fälle). In die Analyse einbezogen wurden 226 Fälle, bei 19 Fällen waren die Angaben im Fragebogen unvollständig.

ErgebnisseBearbeiten

PlagiatsbereitschaftBearbeiten

  • ca. 90% sind bereit, nicht gekennzeichnetes Material in ihre Hausarbeit zu übernehmen
  • ca. 20% würden fast eine gesamte Arbeit übernehmen
  • ca. 10% würden zu mehr als ein Viertel fremde Arbeiten übernehmen

PlagiatshandlungenBearbeiten

  • ca. 20% gaben konkrete Plagiatshandlungen bei studentischen Hausarbeiten zu
  • ca. 56% hatten bei schulischen Hausarbeiten plagiiert (noch keine Hausarbeit im Studium geschrieben)
  • ca. 16% der Plagiatoren wurden erwischt
Erklärung Plagiat.gif

Generell seien sinngemässe Übernahmen, vor allem aus dem Internet, beliebter als wörtliche, werden dafür auch aus anderen Sprachen übersetzt. Entscheidend für den Entschluss zum Plagiat seien der zu erwartende Nutzen sowie interne negative Sanktionen (vulgo Gewissensbisse). Fehlen diese internen Bestrafungsstrukturen, steigt die Plagiatsbereitschaft. Einen höheren Nutzen erwarteten sich Studenten mit Schwächen wie dem Analysieren von Literatur oder wissenschaftlichem Schreiben. Allerdings ist die Plagiatsbereitschaft nicht identisch mit tatsächlichen Plagiatshandlungen.

Konsequenzen bzw. ForderungenBearbeiten

  • Vermittlung wissenschaftlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten bereits in der Schule
  • Unterschreiben eines Ehrenkodex zu Beginn des Studiums (analog den Honor Codes in den USA)
  • Mehr Kontrollen mit spezieller Software
  • Intensivere Betreuung studentischer Arbeiten

Sarah Knoop, Kommunikationswissenschaftlerin, Universität Münster 2006Bearbeiten

Schloss Münster.jpg

StichprobeBearbeiten

2006 untersuchte die Kommunikationswissenschaftlerin Sarah Knoop für ihre Magisterarbeit "Plagiat per Mausklick: Das Plagiieren von Internettexten in wissenschaftlichen Hausarbeiten" ca. 200 Kommilitonen an der Universität Münster aus den Fachbereichen Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft sowie Soziologie und Geschichte. Dozenten wurden in die Untersuchung ebenfalls einbezogen. Befragt wurden alle Studenten dieser drei Fächer, die im Sommesemester 2005 immatrikuliert waren. Im Klumpenverfahren wurden die Teilnehmer von je zwei Grund- und Hauptseminaren per Zufallsziehung ausgewählt. Bei den Dozenten wurden alle Hochschullehrer ausgewählt, die im Sommersemester 2005 in den betreffenden Fächern als Lehrpersonal fest angestellt waren. Die Rücklaufquote der standardisierten Fragebögen betrug bei den Studenten 86%, bei den Dozenten 40%.

ErgebnisseBearbeiten

So war von Interesse, inwieweit das Medium Internet Einfluss auf Plagiatshandlungen hat. Dabei stellte sich heraus, dass Plagiieren unter Studenten weit verbreitet ist. Demnach hatten 60% der Befragten für ihre Arbeiten schon kürzere Passagen aus dem Internet kopiert, ca. 20% auch längere Texte. Mehr als 2/3 der Befragten kannten keine Studienkollegen, die bei einer Hausarbeit schon einmal plagiiert hätten. 1/4 der Befragten kannte mindestens einen Plagiator, maximal aber vier. 70% der befragten 55 Dozenten hatten mindestens mit einem Plagiatsfall zu tun gehabt. Die meisten davon hatten nicht mehr als drei Fälle entdeckt. Fünf Dozenten fanden allerdings mehr als sechs Plagiate, im einzelnen 10, 15, 20, 25 und 300 plagiierte Hausarbeiten.

3-Tastenmaus Microsoft.jpg
Dabei konnte auch festgestellt werden, dass deutlich häufiger aus dem Internet als aus gedruckter Literatur plagiiert wird. Fast 70% der Studenten gaben Zeitmangel als Motiv für ihr Fehlverhalten an, knapp 40% die Bequemlichkeit von "Copy & Paste" (Mehrfachantworten möglich). Lediglich 11% benannten die mangelhafte Kenntnis von Zitierregeln als Grund. Die Akzeptanz von Plagiaten wurde anhand von drei konkreten Beispielen beurteilt. In allen Fällen beurteilte die Mehrheit der Studenten Plagiate als moralisch nicht in Ordnung, jedoch in unterschiedlichem Ausmass.

Knapp 55% der Dozenten halten Plagiate an ihrer Hochschule für eine Ausnahme, knapp 25% allerdings für stark verbreitet. Die Einschätzung variiert deutlich über die wissenschaftlichen Fächer. Allerdings fordern 3/4 der befragten Dozenten mehr Massnahmen, um Plagiate via Internet zu verhindern bzw. zu verringern. 1/5 der Dozenten hält das Plagiatsproblem für überschätzt, gut 30% sind gegenteiliger Meinung.


Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki