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Das VerfahrenBearbeiten

Nach der Hausdurchsuchung im Institut führte die Staatsanwaltschaft Köln 2009 bundesweit Ermittlungen gegen ca. 100 Hochschulprofessoren an ca. 50 Hochschulen wegen Bestechlichkeit durch. Dabei ging es um mindestens 315 fragwürdige Promotionen. Neben zwei ordentlichen Professoren waren vor allem Aushilfsprofessoren und Privatdozenten betroffen, zu 50% im Bereich Medizin, ansonsten aus allen Fachbereichen. Der Schwerpunkt lag dabei in Nordrhein-Westfalen, wo 16 Professoren an acht Universitäten ins Visier der Staatsanwaltschaft Köln gerieten. Dabei ergab sich folgendes Zwischenergebnis:

  • ca. 40 Verfahren wurden gegen Geldauflagen eingestellt
  • ca. 20 Verfahren wurden eingestellt wegen geringer Schuld, mangelndem Tatverdacht oder Verjährung
  • ca. 20 Verfahren sind im Ausgang unbekannt
  • 4 Strafbefehle gegen Professoren wurden erlassen:
  1. Uni Würzburg Prof.em.K. (Medizin) - Geldstrafe 14 400 €
  2. Charite' Privatdozent (Medizin) - 7 Monate Haft auf Bewährung
  3. FU Berlin Privatdozent (Sozialwissenschaften) - 8 Monate Haft auf Bewährung
  4. Bislang unbekannt - 11 Monate Haft (auf Bewährung?)


Gemessen am Ausmass des Skandals blieb die Berichterstattung darüber häufig auffallend spärlich und unkonkret, verglichen mit den schillernden Details im Fall von Prof. A. aus Hannover. Die meisten Universitäten versuchten, Details so gut wie möglich aus der Öffentlichkeit zu halten. In einem Fall wurde sogar der blosse Verdacht bereits als Rufmord bezeichnet. Gleichwohl werden die bekannten Fälle nur als "Spitze eines Eisbergs" gehandelt.

An der Universität Münster wurde gegen vier ausserplanmässige Professoren der medizinischen Fakultät ermittelt. Bei einem Professor war der Bezug zur Uni unklar, zwei weitere hatten die Uni bereits verlassen, der vierte war regulär im Amt. Bei zwei Professoren wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt, gegen einen Professor wurde ein Verfahren eröffnet. Die Universität kündigte an, hart durchzugreifen, bei Bestätigung des Verdachts verliehene Titel wieder zu entziehen sowie Disziplinarmassnahmen einzuleiten. Dabei hatte die Medizinische Fakultät 2006 einen zeitweiligen Promotionsberater des Bergisch-Gladbacher Instituts zum Professor ernannt, der nun nebenberuflich als selbständiger Promotionsberater tätig war. Professor H. , 2006 zum ausserplanmässigen Professor der Medizin ernannt, wurde vom DHV ausgeschlossen, da er eine eigene Promotionsvermittlung in Karlsruhe unterhielt.

An der Universität Leipzig hat es mindestens einen Fall gegeben, in dem auch ermittelt wurde. Von seiten der Uni gab es keinerlei Preseinformationen, obwohl sie nach Aussage des Lokalsenders der Uni mephisto 97.6 bei der Aufklärung mithelfen wollte.

An der Universität Jena gab es zwei Verdachtsfälle im Universitätsklinikum. Gegen einen Arzt wurde gar nicht ermittelt, bei einem anderen Oberarzt das Verfahren gegen eine Geldbusse eingestellt. Er wurde von der Universitätsklinik fristlos entlassen, wogegen er erfolglos klagte.

Die Technische Universität Dresden hatte sich jahreleang ein eigenes Promotionsinstitut (EIPOS) gegönnt, das entgeltlich vor allem Auslandspromotionen an osteuropäische Hochschulen vermittelte. Im Zuge der Promotionsaffäre zwang die TU Dresden das Institut, die Promotionsvermittlung zu beenden, um den Ruf der Universität nicht zu gefährden.

Ein ehemaliger Professor für Informatik der Universität Rostock wollte amtierende Kollegen seiner Hochschule als Doktoreltern für die Promotionsvermittlung in Bergisch-Galdbach gewinnen (Amtsgericht Bergisch-Gladbach 25 C 68/95, Frankfurter Rundschau 26.08.2009)). Ein Sozialwissenschaftler der Freien Universität Berlin erhielt vom Amtsgericht Bergisch-Gladbach einen Strafbefehl über 8 Monate Haft auf Bewährung. Ein Mediziner der Charite' wurde zu 7 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Die Universität Frankfurt gab sich besonders bedeckt. So gab es zwar keine Pressemitteilung, aber ein Rundschreiben des Präsidenten zum Stand der Ermittlungen im Intranet (09.09.2009). Die Uni ging von insgesamt vier Fällen aus (drei Privatdozenten und ein Angestellter). Der weitere Ausgang ist unbekannt. Allerdings wurde die Promotionsordnung dahingehend geändert, dass Doktoranden versichern müssen, keinen Promotionsberater in Anspruch genommen zu haben.

An der Universität Bonn gab es vier Verdachtsfälle im Bereich Medizin. Ein Verfahren wurde mit einer geringen Strafe abgeschlossen. Ein verdächtiger Privatdozent ist inzwischen ausserordentlicher Professor. Gegen ihn wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Der weitere Ausgang ist unbekannt. Entsprechende Promotionen wurden überprüft und die Prüfungsordnung überarbeitet. Etwa die Hälfte der betreffenden Doktorarbeiten sei auffällig, doch formal in Ordnung gewesen.Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter erhielt eine Rüge, weil er auf einer Website Vermittlungsdienste angeboten hatte.

Der Würzburger Medizinhistoriker Prof. K. hatte bereits 2006 an der Universität Würzburg Hausverbot erhalten, nachdem die ständige Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens gegen ihn wegen Titelverkaufs ermittelt hatte. Später übergab die Universität die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft. Beim späteren Prozess 2009 wurde ein Verfahren gegen ihn eröffnet und er erhielt eine hohe Geldstrafe.

An der Universität Witten/ Herdecke wurde gegen einen Mitarbeiter ermittelt.

Die Universität Duisburg-Essen wurde von der Staatsanwaltschaft Köln unterrichtet, dass auch bei ihr ein Verdachtsfall vorliegt.

Die Universität Tübingen geriet zunächst wegen drei Hochschulprofessoren in Verdacht. Wie sich herausstellte, hatten diese bereits zuvor die Hochschule gewechselt, wobei in Tübingen keine Promotionsverfahren betroffen waren.

An der Universität Aachen gab es zwei Verdachtsfälle, wobei gegen einen Privatdozenten der Medizin ermittelt wurde. Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage eingestellt, der Privatdozent hat inzwischen einen Lehrstuhl im Ausland. Insgesamt waren drei Promotionen betroffen. Eine Dissertation ist unbestandet geblieben, über die anderen beiden gibt es keine Informationen.

Nachdem auch die Universität Bochum in Verdacht geraten war, gab sie bekannt, dass es ein Ermittlangsverfahren in einem weit zurückliegenden Fall gegeben habe, der nun eingestellt sei.

Für die Universität Hamburg wurde ein Verdachtsfall gemeldet.

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt gab eine Pressemeldung heraus, dass sich ein Anfangsverdacht entgegen ersten Pressemeldungen nicht bestätigt hätte. Dies war auch bei der Fernuniversität Hagen der Fall.

An der Universität Bayreuth gab es zunächst viel Rummel nach einer entsprechenden Pressemeldung. Ein Anfangsverdacht der Staatsanwaltschaft Köln konnte aber nicht bestätigt werden. Dazu gab die Universität drei Pressemeldungen heraus.

Für die Universität Bielefeld wurde ein Anfangsverdacht von der Staatsanwaltschaft Köln bestätigt.

Die Universität Düsseldorf vermeldete, dass in einem konkteten Verdachtsfall gegen einen Privatdozenten der medizinischen Faklztät ermittelt werde. (Universität Düsseldorf 10.12.2008) Für die Universität Köln waren drei Fälle gemeldet aus den Bereichen Medizin sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Sie betrafen zwei ehemalige Privatdozenten sowie einen emeritierten Professor. Die betroffenen fünf Doktorarbeiten sollten überprüft werden.

Für die Universität Giessen, die in der bisherigen Berichterstattung gar nicht genannt war, wurde ein Verfahren gegen einen Giessener Wissenschaftler gemeldet, das eingestellt worden war. Weitere Auskünfte waren von der Hochschule nicht zu erhalten. Die Staatsanwaltschaft Köln liess verlauten, dass sie sich zu Einzelfällen nicht äussere.


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