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Wie häufig kommt wissenschaftliches Fehlverhalten eigentlich vor? Lohnt es sich überhaupt, sich mit diesem Thema gross zu beschäftigen? Hat Wissenschaftsbetrug zugenommen? Reichen die bisherigen Abwehrmassnahmen denn nicht aus? thumb|300px|rightIn den USA gibt es schon seit Jahren intensive Forschung zum Wissenschaftsbetrug, ein sehr weitreichendes Bewusstsein der Problematik sowie umfangreiche Regelungen und Programme zu seiner Eindämmung.


Das Video dokumentiert in Kurzform das Ausmass von Wissenschaftsbetrug in den USA, speziell an der Santa Clara University in Kalifornien.

Das Video ist in englischer Sprache.


Die oben genannten Fragen werden in Deutschland sehr unterschiedlich beantwortet. Fest steht nur die Tatsache, dass es Wissenschaftsbetrug gibt, seit es Wissenschaft gibt. DFG und viele Universitäten sind der Meinung, dass es sich bei den bekannten Fällen um Einzelfälle handelt. Allerdings werden sie zunehmend irritiert bei der Fülle jetzt aufgedeckter Plagiate. Andere Wissenschaftler sprechen von der Spitze eines Eisbergs, der sichtbar werde, wie Prof. Dr. Manuel Rene' Theisen. Darüber hinaus wird mit groben Schätzungen argumentiert, die alle möglichen Schlüsse zulassen. Vergleicht man den hiesigen Forschungs- und Diskussionsstand mit der Situation in den USA, werden die Lücken deutlich sichtbar.

Es ist in vielen Fällen auch gar nicht so einfach, wissenschaftliches Fehlverhalten eindeutig zu identifizieren, so lange man die Betroffenen nicht selbst danach fragt. Selbstberichte über ein sozial unerwünschtes Verhalten dürften allerdings die wahre Häufigkeit systematisch unterschätzen, wie schon Fanelli bemerkt. Aussagen über eine Zunahme wissenschaftlichen Fehlverhaltens sind erst recht problematisch, solange keine Vergleichsuntersuchungen vorliegen. Von einer erhöhten Sensibilität beim Erkennen wissenschaftlichen Fehlverhaltens kann auch nicht automatisch auf ein vermehrtes Auftreten geschlossen werden. Auch die Unterscheidung zwischen schlechter Wissenschaft und wissenschaftlichem Fehlverhalten ist nicht immer einwandfrei möglich.

Konkrete Untersuchungen sind Mangelware, aber doch in Ansätzen vorhanden. Deren Ergebnisse werden hier vorgestellt. Ausnahmsweise werden hier auch ausländische Studien aufgeführt, die sich mit Fälschung bzw. Wissenschaftsbetrug befassen und Pilotcharacter besitzen. Dabei gibt es sowohl Untersuchungen zu Datenfälschungen als auch zu Plagiaten. Vor allem in den USA wurde intensiv zu Wissenschaftsbetrug und akademischen Plagiaten geforscht, so dass Vergleichsdaten zu den wenigen deutschen Arbeiten vorliegen. Dort herrscht auch ein anderes Problembewusstsein, das sich in vielen Regelungen und Programmen niederschlägt.

So untersuchte Daniele Fanelli von der Universität Edinburgh 2009 in einer Meta-Analyse 18 internationale Studien, bei denen Wissenschaftler gefragt wurden, wie oft sie selbst Daten gefälscht oder dies bei Kollegen beobachtet hätten. Seine Untersuchung "How Many Scientists Fabricate and Falsify Research? A Systematic Review and Meta-Analysis of Survey Data" ist hier unter Open Access im Original erhältlich.

Karl-Heinz Tödter vom Forschungsinstitut der Deutschen Bundesbank untersuchte 2009 117 volkswirtschaftliche Arbeiten, die unlängst in zwei renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht worden waren, und prüfte deren Ergebnisse mit dem Benford-Test auf Plausibilität.

John P.A. Ioannidis von den Universitäten Ioannia und Stanford unterzog 2005 medizinische Forschungsergebnisse einem mathemathischen Beweis hinsichtlich des Wahrheitsgehalts ihrer Ergebnisse. Er beleuchtet den Grenzbereich zwischen Fälschung und schlechter Wissenschaft. Auch seine Arbeit "Why Most Published Research Findings Are False" ist unter Open Access hier im Original erhältlich.

Brian Martinson, Melissa S. Anderson und Raymond de Vries untersuchten 2005, wie häufig wissenschaftliches Fehlverhalten und fragwürdige Verhaltensweisen bei Forschern in den USA vorkommen. Ihre Arbeit ist ein wesentliches Element in Fanellis Meta-Analyse.

Donald McCabe von der Rutgers Universität in New Jersey führte von 2006 bis 2010 zahlreiche Untersuchungen zum Wissenschaftsbetrug von Studenten in den USA durch. Er ist Gründungspräsident des Zentrums für Akademische Integrität und Experte für wissenschaftliches Fehlverhalten.

Sarah Knoop von der Universität Münster untersuchte 2006 die Bereitschaft von Studenten zum Kopieren von Internettexten in ihrer Magisterarbeit "Plagiat per Mausklick - Das Plagiieren von Internettexten in wissenschaftlichen Hausarbeiten". Sebastian Sattler von der Universität Bielefeld befragte 2006 ebenfalls Studenten in seiner Magisterarbeit "Plagiate in Hausarbeiten: Erklärungsmodelle mit Hilfe der Rational Choice Theorie".


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