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Die Universität Münster ist insofern bemerkenswert, als sie sich offen und frühzeitig um eine Eindämmung wissenschaftlichen Fehlverhaltens bemüht hat. Für das Problem studentischer Plagiate hat sie ein grosses Problembewusstsein entwickelt und ein ganzes Massnahmenbündel eingeleitet. Ausserdem verlangt die Universität von ihren Studenten eine eidesstattliche Versicherung, dass sie ihre Arbeiten selbst angefertigt haben. Obwohl die Hochschule beim Promotionsskandal 2009 sehr betroffen war, hat sie als eine der wenigen Universitäten offen dazu Stellung genommen und harte Konsequenzen angekündigt. Bei ertappten Plagiatoren wurde entsprechend durchgegriffen. Auch bei einem neu entdeckten Fall von Promotionsbetrug hat die Universität zügig und umfassend reagiert.

Schloss Münster

Verfahren bei PlagiatenBearbeiten

Im September 2005 erliess der Dekan der Sozial- und Erziehungswissenschaften der Universität Münster, Hans-Joachim von Olberg, ein Rundschreiben über das Verfahren bei Plagiaten, in dem ein umfangreicher Massnahmenkatalog mit teils strengen Strafen verkündet wurde. Täuschungen bei Haus- und Examensarbeiten können demnach mit "ungenügend" oder "mangelhaft" bewertet oder weitere Prüfungsleistungen aberkannt werden. Weiterhin drohen ein Ausschluss von allen weiteren Prüfungen bis hin zur Exmatrikulation sowie einer Geldbusse von bis zu 50 000 Euro.

PlagiatsforschungBearbeiten

2006 untersuchte die Kommunikationswissenschaftlerin Sarah Knoop für ihre Magisterarbeit "Plagiat per Mausklick: Das Plagiieren von Internettexten in wissenschaftlichen Hausarbeiten" ca. 200 Kommilitonen an der Universität Münster aus den Fachbereichen Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft sowie Soziologie und Geschichte. Dozenten wurden in die Untersuchung ebenfalls einbezogen. So war von Interesse, inwieweit das Medium Internet Einfluss auf Plagiatshandlungen hat. Dabei stellte sich heraus, dass Plagiieren unter Studenten weit verbreitet ist. Demnach hatten 60% der Befragten für ihre Arbeiten schon kürzere Passagen aus dem Internet kopiert, ca. 20% auch längere Texte. Zwei Drittel der befragten Dozenten hatten mindestens mit einem Plagiatsfall zu tun gehabt. Drei Viertel der befragten Dozenten forderten weitere Massnahmen, um Internetplagiate zu verhindern bzw. zu verringern. Weitere Details zu dieser Untersuchung finden sich hier.

Modell SchreibwerkstattBearbeiten

Neben Strafe und Abschreckung setzt die Universität Münster auch auf Prävention. Seit 2008 gibt es am Sprachenzentrum eine "Schreibwerkstatt", in der Studenten korrektes wissenschaftliches Arbeiten erlernen können. Das betrifft jede wissenschaftliche Arbeit, von der Hausarbeit bis zur Promotion. Sie umfasst ein vielfältiges Angebot, von allgemeinen semesterbegleitenden Veranstaltungen bis hin zur individuellen Beratung., und steht allen Studenten zur Verfügung. So sollen "fehlerhafte Arbeiten" und Plagiate schon im Vorfeld vermieden werden,

Durchsetzung der MassnahmenBearbeiten

Studenten mussten ihre Arbeiten per CD einreichen, wobei Abschlussarbeiten routinemässig auf Plagiate hin untersucht wurden. Dazu wurden sowohl Google als auch eine relativ einfach Anti-Plagiatssoftware benutzt. 2007 kaufte die Universität Münster Lizenzen für den Plagiarism Finder, um sie den Fachbereichen zur Verfügung zu stellen. Seit Herbst 2010 gibt es eine "Betreuungsvereinbarung" zwischen Doktoreltern und Doktoranden. Nach einem im März 2011 entdeckten Fall von Promotionsbetrug wurde von der Universitätsmedizin eine geeignete Software angeschafft, mit der jede Dissertation geprüft werden soll.

Eine Studentin der Erziehungswissenschaften wurde 2006 über die Textsuche bei Google entdeckt, weil sie ihre Magisterarbeit komplett bei hausarbeiten.de kopiert und nur das Deckblatt geändert hatte. Ihr Dozent war über viele Fachtermini gestolpert, die er im Unterricht nie verwendet hatte. Einer Strafe entkam sie, weil sie sich selbst exmatrikulierte, um an der Universität Wuppertal ihr Studium fortzusetzen.

Ein Student der Betriebswissenschaft wurde ebenfalls 2006 über Anti-Plagiatssoftware entdeckt, weil er für seine Diplomarbeit ganze Abschnitte aus dem Internet kopiert hatte. Unter anderem waren eineinhalb Seiten wörtlich ohne Quellenangabe aus einem Internetaufsatz entnommen worden. Nachdem er durch die Diplomprüfung gefallen war, machte er geltend, er habe lediglich falsch zitiert. Einen ersten Prüfungsversuch hatte er nicht bestanden. Nach einer erfolglosen Klage vor dem Verwaltungsgericht Münster ( AZ: 10 K1212/07) wurde er 2009 exmatrikuliert. Auch eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Münster (AZ: 14 A 847/09) scheiterte.

Im März 2011stolperte ein Mitarbeiter von Wikipedia über zwei medizinische Doktorarbeiten aus Münster, die nahezu identisch und im Abstand von drei Jahren vom gleichen Doktorvater betreut worden waren. Nach Information der Universtät leitete diese sofort eine Untersuchung ein. Sie verlangte Stellungnahmen aller drei Beteiligter und entband den Dozenten von der weiteren Betreuung von Doktorarbeiten. Bei dem internen Prüfverfahren machte der Autor der zweiten Dissertation, ein westfälischer Arzt, neue und zusätzliche Aspekte seiner Abeit geltend. Diese waren nach Ansicht der Prüfungskommission aber zu gering, um als eigenständige Arbeit einen Doktorgrad zu rechtfertigen. So wurde dem Autor noch vor dem offiziellen Schreiben per E-Mail mitgeteilt, dass er seinen Doktortitel nicht mehr führen darf.

Der betreuende Doktorvater gab an, er sei beim Lesen "betriebsblind" gewesen und hätte sich zu sehr auf das Datenmaterial konzentriert. Beide Doktoranden hätten mit dem gleichen Datenmaterial gearbeitet. Der zweite Mediziner hatte wohl eigene Erkenntnisse erarbeitet, im Diskussionsteil aber die Arbeit seines Vorgängers abgeliefert. Inzwischen wurde der Doktorvater für zwei Jahre von der Betreuung von Doktoranden beurlaubt, da er bei der Begutachtung unachtsam gewesen sei.

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