FANDOM


Ein Hamburger Titelhändler und seine KundenBearbeiten

Wenn es in den vorliegenden Fällen schwierig war, thumb|300px|rightbestechliche Hochschullehrer und Promotionsberater entsprechend zur Rechenschhaft zu ziehen, so galt das noch viel mehr für die frischgebackenen Doktoren. Hatten sie ihre Dissertation ordnungsgemäss angefertigt und auch das Rigorosum entsprechend durchlaufen, ging jeder Versuch der Titelentziehung fehl, sofern sie glaubhaft machen konnten, von einer Bestechung ihrer Doktorväter nichts gewusst zu haben. Das war sehr häufig der Fall. Denn gekauft war in den meisten Fällen der Zugang zur Promotion und nicht der eigentliche Titel.

Fast zeitgleich lief eine kleinere Affäre nebenher, die den Namen Titelkauf in weit höherem Masse verdient und an Aberwitzigkeit ihresgleichen sucht. In deren Mittelpunkt stand der Hamburger Titelhändler Bodo Z., der zahlungswilligen Interessenten ohne deren Wissen gefälschte Urkunden der Universität Hamburg andrehte, wobei in deren Räumen gefakte Prüfungen stattfanden. Diverse Promotionen, die keine waren, flogen auf, wobei für die Doktoren zum Schaden auch noch reichlich Spott dazukam. Die bekannt gewordenen Fälle sind derart unglaublich, dass man sich fragen muss, wie sich Jemand überhaupt darauf einlassen konnte. Vermutlich war auch hier die Gier grösser als die Vernunft. In diesen Fällen gab es kein Problem, die nicht verliehenen Titel einzuziehen.

Heiko Sch., GelsenkirchenBearbeiten

Der Gelsenkirchenner Rechsanwalt Heiko Sch. stand 2008 wegen Titelmissbrauchs vor Gericht. Ihm wurde vorgeworfen, für 8000 € einen Doktortitel der Universität Hamburg gekauft zu haben. Einen entsprechenden Strafbefehl hatte er abgelehnt, da er sich als Opfer und nicht als Täter sah.

Übers Internet war er an den Promotionsberater Z. geraten, der ihm u.a. seinen Studentenausweis und den Doktorvater B. besorgt hatte. Auch seine Dissertation war über Z. an Professor B. gelangt. In einem Nebenraum im Untergeschoss der Universität Hamburg hatte er vor einer Prüfungskommission sein Rigorosum abgelegt und war mit "cum laude" promoviert worden.

Die Angelegenheit hatte nur einen Schönheitsfehler: Sch. war nie an der Universität Hamburg immatrikuliert und dementsprechend nie promoviert worden. Ferner blieb es ein Rätsel, wer diese Mitglieder der besagten Prüfungskommission waren. Staatsanwaltschaft und Gericht glaubten Sch. indes, dass er nichtsahnend Opfer von Betrügern geworden war, und sprachen ihn vom Vorwurf des Titelmissbrauchs frei. Seinen nicht verliehenen Doktortitel war er allerdings los.

Hans-Georg Bögner, KölnBearbeiten

Mit einer ähnlichen Posse konnte der Kölner SPD-Politiker Hans-Georg Bögner aufwarten. Er wurde 1999 nach einem Vortrag in Hamburg von Z. angesprochen und zum Kauf eines Doktortitels animiert. In der Folge bezahlte er 5000 DM und schrieb seine Dissertation. Anfang 2001 reiste er nach Hamburg, wo er in der Universität einem Professor T. vorgestellt wurde, bei dem er auch sein Rigorosum ablegte.

Einen Professor T. gab es damals tatsächlich am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, doch war dies nicht die Person, bei der Bögner promoviert hatte. Seine Promotion war dementsprechend der Universität Hamburg nicht bekannt und die Urkunde offenbar gefälscht.

Im Dezember 2008 wurde Bögner telefonisch mitgeteilt, dass mit seiner Promotion etwas nicht stimme. Daraufhin erstatte Bögner Anzeige gegen Z. wegen Betrugs wie auch die Universität Hamburg. Diese Anzeige wurde wegen Verjährung eingestellt. Bögner verzichtete auf den Doktortitel und trat 2009 als Mitglied des Kölner Stadtrats zurück. Seine Professur am Institut für Kulturmanagement der Musikhochschule Köln hat er behalten. Sein Verhalten und seine selbstkritischen Äusserungen zum Mandatsverzicht verdienen grossen Respekt.

Dietmar Meier, StadtoldendorfBearbeiten

Wenn Jemand in diesem Fall den Vogel abgeschossen hat, so war das der SPD-Politiker Dietmar Meier alias Erwin Schmidt, der 2006 für das Bürgermeisteramt der Samtgemeinde Stadtoldendorf kandidierte. Im Zuge der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hildesheim erhielt er einen Strafbefehl über 70 Tagessätze zur Bewährung wegen Urkundenfälschung und unberechtigtem Führen eines akademischen Titels. Er wurde vor der Wahl verraten und der Titel aberkannt. Daraufhin zog er seine Kandidatur zurück, während ihm seine Partei ihr "vollstes Vertrauen" aussprach.

Meier hatte bei dem Hamburger Titelhändler Z. 15 000 € für seine Promotion bezahlt, wobei unklar blieb, ob er seine Dissertation überhaupt selbst geschrieben hatte. Eine alte Hausarbeit war zur Diplomarbeit frisiert und als Zugangsberechtigung zur Promotion anerkannt worden. Seinen sog. Doktorvater hatte er mehrmals in einem Frankfurter Hotel getroffen, wo er "bei Kaffee und Kuchen" mit ihm über die Arbeit gesprochen hatte. Zudem hatte er einen Vertrag unterschrieben, der ihm u.a. die Befreiung vom Rigorosum versprach.. Nach fünf Semestern wurde ihm mitgeteilt, dass Z. die Dissertation bei der Universität Hamburg eingereicht hätte. In einer Autobahnraststätte bei Kassel fand die Geldübergabe statt, bei der Meier seine Urkunde mit der Ernennung zum "Dr.rer.pol." erhielt. Irgendwann wurde ihm zwar zwangsläufig klar, dass er einem Betrüger aufgesessen war, Anzeichen für eigenes Unrechtsbewusstsein waren aber nicht auszumachen.

Bodo Z., HamburgBearbeiten

Zentrale Figur in in diesem kuriosen Fall war der Hamburger Titelhändler Bodo Z., der zwar kein Abitur, aber einen Doktortitel besass. Er hatte für die Republikaner kandidiert und bot sowohl Grundstücke auf dem Mond als auch Mondflüge an. Seit 1995 hatte er zahlreiche Verfahren und Verurteilungen wegen Betrugs, Titelhandels, Urkundenfälschungen etc. am Laufen.

Z. handelte mit Doktor- und Diplomurkunden. Dazu besass er sowohl Blanko-Urkunden als auch Stempel, mit denen er Titel der Universität Hamburg verlieh. Die entsprechenden wissenschaftlichen Arbeiten stammten meist aus dem Internet und wurden leicht abgeändert. Wie er Zugang zu Räumlichkeiten der Universität Hamburg erlangen konnte, ist nicht bekannt. Desgleichen fehlt jeder Anhaltspunkt, wer denn die Personen waren, die als Professoren und Prüfungskommision zahlungswilligen Doktoranden das Rigorosum abnahmen. Zwischen 1999 und 2002 wurden 15 Fälle von Urkundenfälschung bekannt. Z. flog auf, weil seine Urkunden sehr viele Rechtschreibfehler enthielten.

Ein erstes Urteil vom Landgericht 2008 wurde vom BGH verworfen, weil die Glaubwürdigkeit der Betroffenen nicht überprüft worden war. 2009 wurde Z. vom Landgericht Lüneburg zu vier Jahren Haft wegen Handels mit falschen Doktortiteln verurteilt.



Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki